Feldhase und Wildkaninchen - in Ruhe lassen oder nicht?

Hase Fritz (links) und Kaninchen Krümel (rechts)
Hase Fritz (links) und Kaninchen Krümel (rechts)

Noch ist es Sommer. Noch haben viele Tiere Nachwuchs. So auch Feldhasen und Wildkaninchen. Zur Zeit kommt es leider vermehrt vor, dass unwissende Menschen sehr viel falsch machen, wenn sie ein vermeintlich hilfloses Tierbaby in der Wiese oder am Wegesrand finden.
Hiermit meine ich hauptsächlich Hasen und Kaninchen. Viele Spaziergänger sehen in den Feldern oder am Rande des Weges ein vermeintlich hilfloses Hasenbaby. Was macht man da? "Mitnehmen", werden sich die meisten denken, "es braucht Hilfe, die Mutter hat es verlassen". NEIN!!! Das ist FALSCH!!!! Diese Handlung führt in den meisten Fällen zum Tod des kleinen Hasen, und hier möchte ich kurz erklären, warum.
Erstens können viele Menschen schon nicht zwischen Hasen und Kaninchen unterscheiden. Der erste fatale Fehler.
Wildkaninchen werden nackt und blind unterirdisch in einer Höhle von der Mutter geboren. Sie bleiben einige Wochen in der Höhle, bis sie Fell bekommen, sehen können und der Mutter einigermaßen folgen können. Dann sind sie ca. 4 Wochen alt und ca. 250 Gramm schwer.

Feldhasen hingegen werden mit Fell und mit offenen Augen geboren. Das Geburtsgewicht liegt bei ca. 80–120 Gramm (also so schwer wie ein Wildkaninchen mit ca. 3 Wochen). Sie verlassen schon nach den ersten Stunden die Geburtsstätte, eine Kuhle mitten in Wiese oder Feld (oberirdisch), und hoppeln verstreut in die Felder und die Wiesen. Dort bleiben sie sitzen. Die Mutter kommt einmal am Tag und säugt die Kleinen. Dann lässt sie sie wieder alleine, bis zum nächsten Tag. Die kleinen Hasen springen nicht weg, wenn ein Mensch kommt. Sie versuchen ganz still zu halten, so dass sie keiner erkennt. Diese Hasen darf man NIEMALS einfach so mitnehmen. Sie sind nicht von der Mutter verlassen worden! Die Mutter kümmert sich regelmäßig um die Kleinen, und solange sitzen sie ganz still im Feld. Wer ein Hasenbaby in so einer Situation mitnimmt und versucht, es selbst aufzuziehen, der wird es töten! Fast alle Hasen überleben eine menschliche Aufzucht NICHT! In den meisten Fällen haben die Menschen, die den Hasen mit einer Handaufzucht etwas vermeintlich Gutes tun wollen, schon nicht genug Ahnung. Die Aufzucht von Hasen ist sehr kompliziert. Auch Profis gelingt es oft nicht, Hasen aufzuziehen.
Auch ist es sehr falsch, ein Hasenbaby als Kaninchen zu deklarieren. Die beiden sehr verschiedenen Tiere brauchen eine ganz unterschiedliche Behandlung.
Beispiel: Ein Wildkaninchen mit 200 g ist bereits ca. 3-4 Wochen alt und kommt bald alleine klar, es braucht keine Muttermilch mehr und frisst schon Grünfutter.
Ein Feldhase mit 200 g ist erst wenige Tage alt und muss noch gesäugt werden bis er mit ca. 4 Wochen ungefähr ein knappes Kilo wiegt. Bei Handaufzuchten muss der speziellen Aufzuchtsmilch für Feldhasen und Wildkaninchen ein bestimmtes Medikament zugegeben werden, um bestimmte Parasiten abzutöten.

 

Feldhasen müssen mindestens 1000 g wiegen, wenn man sie auswildert, Wildkaninchen können mit 400 g ausgewildert werden.
Nur in ganz wenigen Ausnahmen sollten Hasen oder Kaninchen mitgenommen werden, z.B. wenn eine offensichtliche Verletzung vorliegt, oder wenn die Katze oder der Hund eine Kleines anschleppt und man nicht weiß, wo genau es her ist.
Daher sollten die Hunde auch nicht ohne Leine herumstreunen dürfen, es kann schnell passieren, dass ein Hund einen Hasen aufspürt, der ja nicht weghoppelt, weil er reglos auf seine Tarnung hofft.

Zwar geben Hasen in den ersten Wochen keinen Geruch von sich, ein Hund kann sie folglich nicht „erschnüffeln“. Trotzdem ist es schon vorgekommen, dass Hunde beim Spielen in der Wiese quasi über einen kleinen Hasen gestolpert sind und diese so gefunden und dem Menschen mitgebracht haben.

 

Aber wie nun kann man Hasen und Kaninchen unterscheiden?
Eigentlich ganz einfach:
Kaninchen haben ein weiches glattes Fell und dunkle Augen, in denen man keine Pupille erkennt.
Hasen dagegen haben ein etwas raueres und wuscheligeres Fell, außerdem kann man bei Hasen deutlich eine Pupille in den Augen erkennen. Hasen sehen auch etwas "grimmiger" aus als Kaninchen, wenn man sich ihr Gesicht betrachtet.
Als Vergleich habe ich hier 2 Bilder abgebildet, auf denen man die Unterschiede sehr gut erkennt.


Mein Fazit: Hasen niemals mitnehmen, auch wenn sie vermeintlich hilflos in der Wiese sitzen. Kaninchen generell auch nicht, denn diese verlassen die sichere Höhle erst viel später als ein Hase, sie sind nämlich Nesthocker, nicht so die Hasen, die Nestflüchter sind.

Leider wird der Kaninchenbau aber oft durch Bauarbeiten zerstört. In diesem Falle muss man die kleinen Kaninchen an sich nehmen und einer Auffangstation übergeben.

 

Aber es gilt:
NUR offensichtlich verletzte Tiere mitnehmen bzw. nur in ganz engen Ausnahmen!!! Wenn das Tier auf einer befahrenen Straße sitzt, kann man es an den Rand ca. 10 Meter weit weg von der Straße tragen und danach mit Gras abreiben, damit man den menschlichen Geruch wegwischt.
Lasst die Wildtiere aber immer in der Wildnis, außer es geht gar nicht anders!

 

Text und Fotos: Barbara Felde

Interessengemeinschaft Tierschutz in Mittelhessen e. V.

 

 

Der Verein für Mensch und Tier!

 

 

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